• june128

Wie frei sind wir in unseren Entscheidungen?

Aktualisiert: 20. März




Vor ein paar Wochen startete ich eine Umfrage. Die Frage, zu der ich eine Antwort suchte, war: "Warum hast du dich bisher noch keiner ästhetischen Behandlung unterzogen, obwohl du mit dem Gedanken spielst?"


Was mich zu der Umfrage brachte, waren meine tagtäglichen Erfahrungen mit meinen Patientinnen.

In meiner Praxis begegne ich vielen Frauen, die alle unterschiedliche Lebensentwürfe und Vorstellungen haben. Es sind auch unterschiedliche Lebensabschnitte, in denen sich die Frauen befinden.

Da sind Frauen, die einen großen Haushalt schmeißen, ihre Kinder unheimlich toll fördern, sich bei Gefahr wie eine Löwin vor ihre Kinder werfen und den Familienalltag organisieren.

Da sind Frauen, die in Führungspositionen stehen, jeden Tag (unpopuläre) Entscheidungen treffen müssen und im Alltag einen ganzen Stab an Mitarbeitern führen.

Da sind Frauen, die sowohl eine Familie führen und gleichzeitig erfolgreich im Job sind.


 

Der gewöhnliche Ablauf in der Praxis ist folgendermaßen:

Vom Beratungs- und Aufklärungsgespräch kommen wir über die Erstuntersuchung zum Behandlungsplan. Sobald wir die einzelnen Schritte des Behandlungsplans und das mögliche -ergebnis besprochen haben, gibt es immer einen Überraschungsmoment. An dieser Stelle gibt es meist nur zwei mögliche Szenarien:

- Szenario a: Die Patientin ist glücklich über den gemeinsamen Plan und möchte sofort in die Umsetzung übergehen

- Szenario b: Die Patienten ist glücklich, wird aber plötzlich zögerlich. Meist gesteht sie dann etwas kleinlaut: "Ich weiß nicht, wie mein Mann/Partner das findet. Ich muss das erst absprechen. Oder ich mache das, wenn er mal weg ist."


Diese Situationen haben mich immer wieder in Erstaunen versetzt und ich habe mir unweigerlich die Frage gestellt: "Wie unabhängig sind wir eigentlich nach mehr als 50 Jahren Frauenbewegung, Alice Schwarzer und Gleichstellungsbeauftragten in unseren Entscheidungen?"


Seit dem Gleichberechtigungsgrundsatz von Männern und Frauen im Jahre 1949 ist viel geschehen. Insbesondere zu Beginn der 70er Jahre und vor allem dank starken und visionären Menschen wie beispielsweise Alice Schwarzer leben wir Frauen in Deutschland heute vollkommen frei und besonders geschützt, privat als auch beruflich.

Als Kind der 70er bin ich mit den Protestaktionen wie "mein Körper gehört mir" und "ich habe abgetrieben" aufgewachsen und habe selbst den gesellschaftlichen Wandel erlebt.


Umso mehr verwundert es mich, wenn Patientinnen ungefähr meines Alters (+/- 50 Jahre) gut ausgebildet und finanziell unabhängig sind und trotzdem plötzlich zögern, weil sie befürchten, ihr Partner könnte die Behandlung nicht gutheißen.

Ich spreche von Frauen, die mit beiden Beinen im Leben stehen und schon viel erreicht haben.


Es steht mir nicht zu, diesen Frauen in ihre Überlegungen oder Entscheidungen reinzureden. Das wäre rechtlich und ethisch gesehen sogar falsch!

Ich höre diese Aussagen nur, nehme sie so hin und kann nicht anders als innerlich erstaunt sein... erstaunt sein, über die emotionale Abhängigkeit, die sich trotz Emanzipation und Unabhängigkeit über mehr als 50 Jahre hinweg nicht ausradieren lässt.


Die Frage ist, warum oder was hält diese Frauen in dem letzten Schritt zur Unabhängigkeit zurück? Schließlich kamen sie aus freien Stücken zu mir, um sich behandeln zu lassen.

Was ist der Unterschied zwischen den Frauen, die sich selbstbestimmt und unabhängig entscheiden können und denen, die es nicht können?


Ich gehöre zur Gruppe der Frauen, die eigenständig Entscheidungen treffen, insbesondere was Themen angeht, die vor allem mich betreffen und dazu zähle ich ästhetische Behandlungen bzw. Eingriffe.

Da mein Mann und ich echte Partner sind und ich Kommunikation sehr wichtig finde, spreche ich im Vorfeld mit meinem Mann darüber. Selbstverständlich kann auch er eine Meinung dazu haben. Er kann Einwände haben, und wir können diskutieren. Aber wenn ich am Ende davon überzeugt bin, dass meine Entscheidung richtig für mich ist (und ich beispielsweise ein Fadenlifting haben möchte), dann können seine Einwände mich nicht abhalten. Denn letzten Endes ist es mein Wohlbefinden und mein Körper, in dem ich mich wohlfühlen muss.

Da sind wir wieder an dem Punkt wie vor 50 Jahren - mein Körper gehört mir!


Es ist für uns klar, dass wir unser Leben als echte Partnerschaft verstehen. Lange Zeit habe ich ihn unterstützt in seinem Business und in einer geschäftlichen Krise. In gemeinsamer Absprache habe ich in dieser Zeit mehr Fokus auf die Familie gelegt, da die Kinder noch sehr klein waren.

Seit ein paar Jahren unterstützt er mich in meinem Vorhaben und muss automatisch auch mehr in der Familie tun.

Die Kinder ziehen wir gemeinsam groß und treffen hier gemeinsame Entscheidungen, wobei ich aufgrund meiner größeren zeitlichen Freiheit immer noch mehr tagtägliche Verantwortung übernehme als er. Außerdem kann ich viel besser kochen als er ;-)


Das Wichtigste hier ist jedoch, dass ich das Gefühl habe, dass mein Mann großes Vertrauen in mich hat und mir die Dinge ruhigen Gewissens überlässt. Er kann seine Kraft dafür an anderer Front einsetzen. Denn es ist ein Unterschied, ob ich mich mehr um die Familie kümmern MUSS, nur weil ich eine Frau bin oder ob ich es tue, weil ich es mir in der aktuellen Lebenssituation besser leisten kann und außerdem auch sehr gut darin bin.


Es gibt aber Lebensbereiche, die betreffen vor allem mich. In diesen Bereichen möchte ich mir Selbstständigkeit bewahren. Ich möchte unabhängig von Angst oder Sanktionen Entscheidungen treffen können.

Ich möchte die Sicherheit haben, dass ich als selbstständiger Mensch wahrgenommen und angenommen werde. Das bedeutet Entscheidungen für mich treffen zu können, ohne irgendwelchen Sanktionen befürchten zu müssen, ohne Angst vor Diskussionen oder Konflikten haben zu müssen.

Diskussionen und Konflikte können jederzeit sein. Ich weiß, wann sie anstehen, habe aber keine Angst davor. Denn letzten Endes sind Konflikte und deren Bewältigung auch eine echte Chance, die Partnerschaft weiterzubringen.

Ich möchte von meinem Partner, von anderen Mitmenschen, aber auch vor allem vor mir als eigenständige, freie Person wahrgenommen werden und mich nicht verstecken müssen oder Dinge verheimlichen müssen.


Für mich beginnt Emanzipation, Unabhängigkeit und Freiheit in der Partnerschaft und in der Familie. Sie ist nicht nur in den großen Dingen, der Gesellschaft, in den Schulen oder den Unternehmen zu suchen.

Und so werde ich mich immer wieder wundern, wenn erwachsene, gestandene Frauen in ihren Entscheidungen unfrei sind und in dieser Unfreiheit bleiben.




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